Das Rathaus

Rathaus. 1529 -1537 erbaut. Frühes Beispiel thüringisch-sächsischer Renaissancebaukunst, am Treppenhaus befinden sich das Stadtwappen mit Saalefischen und Saalfelder Elle.

Das heutige Saalfelder Rathaus wurde von 1529 bis 1537 unter dem Stadtregiment der Bürgermeister Jakob Kelz und Heinrich Glaser erbaut. Als Ausdruck bürgerlichen Selbstbewusstseins und der im Laufe der Zeit erworbenen Machtbefugnisse erfolgte unter der Regie des Saalfelder Stadtrates die Errichtung eines der schönsten Rathäuser Thüringens, zugleich der erste bedeutende städtische Verwaltungsbau der Frührenaissance in den damals sächsischen Ländern. Hier wurde die einheimische Bautradition der Spätgotik mit modernen Architekturelementen der Renaissance zu einem harmonischen Ganzen verbunden. Der Baumeister dieses Gebäudes ist allerdings unbekannt geblieben. Doch ist zu vermuten, dass Bauplanung und Bauaufsicht einem der am Hofe des sächsischen Kurfürsten tätigen Baumeisters oblagen.

Über dem Rathausportal befindet sich der Verkündigungsbalkon. Er wird vom Saalfelder Stadtwappen gekrönt, das zwei Fische trägt, sogenannte Barben - ein Speisefisch, der am häufigsten in der Saale vorkam - trägt. Die Barben symbolisieren das Fischereirecht, das die Stadt 1346 von den Grafen von Schwarzburg erhielt, welches die Kontrolle des Fischfangs sowie die Festlegung des Verkaufspreises ermöglichte. Bis in die Neuzeit überwachte der Stadtrat das Fischereirecht. Links neben dem Eingang ist die Saalfelder Elle zu sehen, ein Eisenstab mit einer Länge von 56,6 cm. Die Elle war das gebräuchliche Längenmaß für den Tuchhandel, der bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts im Tuchboden des Rathauses vorgenommen wurde. Jedermann konnte hier öffentlich prüfen, wie genau es die Kaufleute mit den Maßen nahmen. Die Länge einer Elle war jedoch von Stadt zu Stadt unterschiedlich. Im Hof des Rathauses befindet sich ein rundes Gebäude, das im Volksmund "Hutschachtel" genannt wird - es handelt sich hierbei um das ehemalige Saalfelder Amtsgefängnis. Dieses wurde seit der Fertigstellung 1859 bis Mitte des 20. Jahrhunderts genutzt. Heute beherbergt der Rundbau das Stadtarchiv.
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