Die Johanneskirche

Johanniskirche. Als eine der größten Hallenkirchen Thüringens zwischen etwa 1380 und 1514 unter dem Einfluss der Prager Parler-Bauhütte erbaut. Heute Stadtpfarrkirche. Im Inneren Heiliges Grab (um 1400), Ausmalung des Chorgewölbes mit Pflanzendarstellungen ("Himmelwiese") und eine lebensgroße Skulptur Johannes des Täufers.

Die Stadtpfarrkirche wurde nach Johannes dem Täufer benannt. Seine Statue kann man im Gotteshaus sehen. Einst stand hier eine romanische Basilika, die durch einen Brand vernichtet wurde. An ihrer Stelle entstand in mehr als 100 Jahren Bauzeit eine der größten Hallenkirchen Thüringens. Sie wurde 1514 eingeweiht. Den Bauleuten von Peter Parler aus Böhmen gelang ein architektonisch eindrucksvolles Meisterwerk. Die beiden Kirchtürme sind 64 Meter hoch. Sechs Glocken schlagen darin; die älteste wurde um 1400 gegossen und wiegt vier Tonnen.

Über dem Eingangsportal sieht man die figurenreiche Darstellung des Jüngsten Gerichtes. Oberhalb des Türbogens befindet sich ein sehr seltenes Bild der "Heiligen Kümmernis". Es handelt sich dabei um die Kopie eines Reliefs, das ursprünglich von der Fassade einer früheren Kapelle auf der Saalebrücke stammt und Christus den Erlöser mit einem Spielmann zu seinen Füßen zeigt. Das Original ist im Kircheninneren ausgestellt.

Vorlage war ein romanisches Kruzifix im Dom zu Lucca in Italien. Aufgrund der ungewöhnlichen Figurengruppe entstand im mittelalterlichen Volksglauben die Sage von einer schönen Königstochter. Um den Liebeswerbungen ihrer Verehrer zu entgehen, flehte sie Gott um Hässlichkeit an. Ihr wuchs daraufhin ein langer Bart. Der erzürnte Vater nagelte sie ans Kreuz. In ihrer Todesstunde soll die Königstochter einem Trost spendenden Spielmann einen goldenen Pantoffel zugeworfen haben.

Das Kircheninnere besticht durch eine erstaunliche Farbenvielfalt und kann einige Sehenswürdigkeiten aufweisen. Am Deckengewölbe der Eingangshalle befindet sich ein vierblättriges Kleeblatt als Glückssymbol zum Eintritt in die Kirche. In der Mitte wird das Zentrum Christus als Lamm gezeigt. Es verdeutlicht die Hingabe, die Vergebung der Sünden und die Erlösung. Das Rot der Säulen stellt das Blut Christi dar und verweist auf die göttliche Liebe und Hingabe. Würden diese Säulen quer durchgeschnitten, dann erschiene wieder das vierblättrige Kleeblatt. Durch dieses gebündelte Motiv werden die Säulen Bündelpfeiler genannt.

Im Chor befindet sich der wohl schönste Schatz der Kirche: die Malereien am Deckengewölbe. Die "Himmelswiese" ist die umfangreichste Pflanzendarstellende Deckenmalerei der Spätgotik im deutschsprachigen Raum. Sie stammt aus dem 16. Jahrhundert und übermittelt uns eine dreifache Botschaft: die des offenen Himmels, Gott liebt alle seine Geschöpfe ohne Unterschied und geht sorgsam mit der Vielfalt und Schönheit der Schöpfung Gottes um und bewahrt, was noch lebt. Über 200 Pflanzen sind zu betrachten, jede mit ihrer Heilkraft und Bedeutung. 80 davon konnten botanisch bestimmt werden. Dazu zählen unter anderem die Lilie als Mariensymbol, die Akelei als Zeichen der Dreifaltigkeit, der Löwenzahn, die Narzisse und die Nelke als Symbole der Passion und Todesüberwindung.

Die Chorfenster erzählen das Leben Jesu und erklären den Sinn der vier großen Christustage im Jahr: Weihnachten, Johannistag, Karfreitag und Ostern. Diese Fenster stammen aus der Zeit der großen Umgestaltung der Kirche in den Jahren vor 1900. Ein einzigartiges Kunstwerk stellt die Lebensgroße Holzfigur Johannes des Täufers im Chorraum dar. Er ist der Schutzpatron der Kirche und gilt als Hauptwerk des Saalfelder Bildschnitzers Hans Gottwald von Lohr, eines Schülers Tilmann Riemenschneiders.

Eine katholische Messe gibt es in der Kirche seit 1524 nicht mehr. Während der Reformation predigte Martin Luther hier mehrmals. In Erinnerung an ihn und sein Wirken wurde der Kirche 1905 eine Plastik übergeben, die links neben dem Eingang steht. Der Kirchplatz war bis zum 16. Jahrhundert ein Friedhof. Somit begrub man die Toten mitten in der Stadt und daneben wurde an den Lieden Markt gehalten. Bei der Bestattung war die Stellung der Person von Bedeutung. Je höher man angesehen war, desto näher wurde das Grab an der Kirchmauer angelegt.
zur nächsten Station